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Alexander:
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Elisabeth Luchesi in "Kunst und Therapie"

Die Künstlerin Elisabeth Luchesi aus Düsseldorf publiziert in der Zeitschrift "Kunst & Therapie"

folgenden Artikel, Ihre Bilder bilden Kulisse zu allen Beiträgen dieser Ausgabe. Der Text bezieht sich auf alle Bilder in der Ausgabe.
Kulissen - Denkakte

10 Bildtafeln
Fußnote zu "Kulissen": frz. coulisse „Rinne, Schiebefenster, Schiebewand“ – zu couler „fließen“
Wo findet Denken statt? Hat es einen Ort?
Könnte man Denken (über sich selbst) als eine Art Aufführung verstehen?
Diese Fragen haben mich beschäftigt und zu einem entsprechenden Umgang mit Bildfragmenten geführt. Man könnte die Bildtafeln auch als virtuelle Collagen bezeichnen:
Elisabeth Luchesi Kulissen A(R)T
Die verschiedenen Bildteile in den einzelnen Tafeln wurden wie Mobiliar behandelt, das man in einer Räumlichkeit hin und her bewegt. Dass dabei immer wieder neue Arrangements aufkommen, liegt sicher zum einen an der digitalen Verschiebetechnik, zum anderen aber auch an der Illusion der Kulisse, des Bühnenbilds oder der Möbelelemente, wobei hier besonders Paravents und Raumteiler zu nennen wären. Bequeme Möbel zum Verweilen gibt es keine, abgesehen von der Naturcouch auf der Tafel 'Übertragung'.
Das Thema Reflexion ist ein Ausgangspunkt gewesen - und das dies in der Gestalt des „Denkers“ von Rodin begann, ist kein Zufall. Diese Gestalt hat mich schon lange mit ambivalenten Gefühlen beschäftigt:
Einerseits war ich interessiert an seiner Motivgeschichte, andererseits finde ich die Gestalt selbst eigenartig klobig und die Idee, Denken so darzustellen, fragwürdig.
Natürlich drückt seine Pose ein In-sich-Versunken-sein und damit seine Isolation aus. Bei allen Vorbehalten ist es jedoch tatsächlich schwer, sich eine andere Geste dafür vorzustellen. Ein Zurücklehnen wirkte zu bequem, eine Liegeposition abwesend, ein Kauern mit Blick nach außen zu ängstlich, ein sich an die Wand Lehnen zu lässig, eine bestimmte Pose, die auf einen Vollzug zielt, zu linear usw.
Einzig dem beim griechischen Gastmahl (und auch auf den etruskischen Sarkophagen) mit einer Hand aufgestützten Liegenden oder Lagernden traut man ein Denken bzw. eher ein Nachsinnen, das auch ins Nachlauschen übergehen kann, zu.
Liegt es auch an unserer kulturell geprägten Auffassung vom Denken, dass es etwas mit einer Selbstverschlungenheit und einem „Ringen“ zu tun hat? (kleiner Scherz am Rande: Der Mann, der Rodin für den Denker Modell stand, war Berufsboxer, der meist im Rotlichtmilieu auftrat). Ich meine hier nicht das sezierende, säuberlich analysierende Denken, sondern das, was man mit „Reflexion“ bezeichnet, die, so weit ich es verstehe, analytische, aber auch stark atmosphärisch getönte Momente enthält oder erfordert, ohne die der Gegenstand des Denkens gar nicht vorzustellen wäre.
Die möglichen Risiken und Nebenwirkungen einer solchen reflexiven Tätigkeit sind in unserer Tradition jeweils auch moralisch gewertet worden.
Seit der Renaissance gehört das Postulat der Reflexion und damit der Melancholie zum Begriff des Künstlers.
Eine immer wieder auftauchende Spannung liegt darin, den entsprechenden Zeitpunkt und Rahmen für die Reflexion zu finden. Vielleicht kommen die „Kulissen“ aus einem solchen Impuls, Umgebungselemente bereit zu stellen, die zum Teil auch provozierende Motive tragen und die, wenn man sich von ihnen nicht wie von Schreckbildern bannen lässt, für einen gewissen „dramatischen“ Schwung sorgen - jedenfalls signalisieren sie nicht, dass vorab schon alles in Ordnung wäre, wie es der Blick auf eine Blumentapete vielleicht nahe legen würde. Es soll also eine Bühnenlandschaft bereitet werden, um ein Denken in Szene setzen zu können, ohne vom Schrecken, aber ebenso wenig von voreiligen Beschwichtigungen blockiert zu werden.
Elisabeth Luchesi
(c) Alle Rechte für den Text und die Bilder liegen bei Elisabeth Luchesi. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.
Quelle: "Kunst & Therapie", Ausgabe 2010/2, ISBN 978-3-924533-91-5