Logo for A(R)T®-Examples = A(R)T®-Acitivities by Harald Riedel, Trainer for the Alexander-Technique, member of ATI (Alexander Technique International)

Alexander:
... we shall be able to develop our potentialities to the full.

Gegenüberstellung: ZEN-Mönch Takuan (16 Jahrhundert) und F. M. Alexander (1869 - 1955)

Stacks Image 46

Fudoshin oder Fudō Myōō.

Hier finden Sie eine Gegenüberstellung von Aussagen von Meister Takuan, einem Zen-Mönch aus dem 16. Jahrhundert, und Frederick Matthias Alexander, dem Begründer der Alexandertechnik. Beide schreiben über das Thema einer bewussten übergeordneten mentalen Steuerung. Vergleichen Sie die unterschiedlichen Sprachtraditionen und sehen Sie gemeinsame Bezüge.
Takuan:

Ort des Verweilens meint den Ort, wo der Geist anhält. ...
F. M. Alexander:

preliminary
inertia of mind
...
rigidity of mind
Übersetzung:

vorhergehende Trägheit des Geistes
...
Starrheit, Steifheit, Härte und Festigkeit des Geistes
Takuan:

Um in Begriffen der Kampfkunst zu sprechen: Wenn Ihr in dem Augenblick, da Ihr das Schwert bemerkt, welches Euch treffen will, auch nur mit einem Gedanken daran denkt, dem Schwert da zu begegnen, wo es eben jetzt gerade ist, so wird Euer Geist bei ihm halt machen in eben dieser Position,
Eure eigenen Bewegungen werden unterbunden, und Eurer Gegner wird Euch niederstrecken. Das ist mit
Anhalten gemeint. ...

F. M. Alexander:

I will examine what I believe to be the
first and greatest stumbling block to conscious self-control, namely, "rigidity of mind." This rigidity results in a fixed habit of thought and its concomitant evils, among which is the subjection of functional and muscular habits to subconscious control
[MSI, page 38]
F. M. Alexander:

Ich werde darlegen, was ich für den ersten und größte Stolperstein zu einer übergeordneter bewusster Selbststeuerung halte, nämlich namentlich die "Starrheit, die Steifheit, Härte und Festigkeit des Geistes".
Diese Starrheit, Steifheit und Härte folgt aus einer festen, starren Denkgewohnheit mit seinen üblen Begleitumständen zu denen auch die Unterordnung von funktionalen und muskulären Gewohnheiten unter eine unbewusste Steuerung gehört.
[MSI, Seite 38]
Fudō Myōō [Fudoshin] fasst ein Schwert mit der Rechten und hält ein Seil in der Linken. Er bleckt die Zähne, und die Augen funkeln vor Zorn. Fest ist ein Stand und so ist er bereit, die bösen Geister zu unterwerfen, die sich dem buddhistischen Gesetz [des Nichtanhaftens] entgegenstellen möchten. Er ist unverborgen überall, in jedem Land. Er hat die Gestalt eines Beschützers [der geistigen Wahrheiten] des Buddhismus, und er verkörpert die bewegungslose Weisheit. In ihm wird sie allen Lebewesen gezeigt.

Sieht ein gewöhnlicher Mensch diese Gestalt, so fürchtet er sich [vor der Hüterfigur] und wagt nicht einmal zu denken, ein Feind des Buddhismus [und seiner mentalen Disziplinen] zu sein.
And in all such efforts to apprehend and control mental habits, the first and only real difficulty is to overcome the preliminary inertia of mind in order to combat the subjective habit. The brain becomes used to thinking in a certain way, it works in a groove, and when set in action, slides along the familiar, well-worn path; but when once it is lifted out of the groove, it is astonishing how easily it may be directed. At first it will have a tendency to return to its old manner of working by means of one mechanical unintelligent operation, but the groove soon fills, and although thereafter we may be able to use the old path if we choose, we are no longer bound to it.
[MSI, page 67]
In all den Anstrengungen, die mentalen Gewohnheiten wahrzunehmen, zu erfassen, zu begreifen und zu beherrschen ist die erste und wirkliche Schwierigkeit, die vorangehende Trägheit des [menschlichen] Geistes zu überwinden, um die persönliche Gewohnheit zu bekämpfen. Das Gehirn gewöhnt sich, Denkprozesse und Denken in einer bestimmten Art und Weise auszuführen. Es arbeitet in einer Laufrille oder einer Furche; und wenn es in Aktion gesetzt wird, schlittert, gleitet oder rutscht es auf dem gewohnten, ausgetretenen Weg. Aber wenn es einmal aus der Laufrille oder der Furche herausgehoben wird, ist es erstaunlich, wie leicht es gesteuert, gerichtet und angewiesen werden kann. Zuerst wird es die Neigung oder Tendenz haben, zu seiner alten Art und Weise zurückzukehren (durch eine mechanisch unintelligente Operationen), nur das sich die Laufrille oder die Furche bald füllt und obwohl wir danach in der Lage sind, den "alten Weg" zu gebrauchen, falls wir dies wählen, so sind wir nicht länger an diesen gebunden.
[MSI, Seite 67]
Wer der Erleuchtung nahe ist, der versteht, dass hier die bewegungslose Weisheit manifestiert ist und alle Verblendung bereinigt. Wer aber diese bewegungslose Weisheit [in einer Performance] selbst offenkundig machen kann und diesen geistigen Ethik- und Moralanspruch [1] so gut verkörpert wie Fudō Myōō [Fudoshin], für den werden die bösen Geister sich nicht länger vermehren. Dies ist es, was Fudō Myōō [Fudoshin] uns mitzuteilen hat.

Was man Fudō Myōō [Fudoshin] nennt, das ist der eigene bewegungslose Geist [gemeint ist der nicht anhaftende Geist] und der nicht-zaudernde Körper. Nicht-zaudernd heißt, nicht von irgendetwas angehalten zu werden.
I feel that I cannot insist too strongly, is that
THE CONSCIOUS MIND MUST BE QUICKENED

[MSI, page 39]
Ich empfinde es so, dass ich es nicht genug betonen kann:
DER CONSCIOUS MIND MUSS BELEBT WERDEN.
[MSI, Seite 39]

Quelle: Buch "ZEN - in der Kunst des kampflosen Kampfes" von Jochen Eggert,
Auszug Seite 19 - 22, www.Fischerverlage.de

[1] Jochen Eggert verwendet in seiner Übersetzung für Ethik- und Moralanspruch das Wort Dharma.
Übersetzung: Harald Riedel, A (R) T®
Quelle: The Books of F. Matthias Alexander, IRDEAT edition 1997, 74 MacDougal Street, New York, Now York 10012
Zurück zum: Kontext: Kendo
Zur Bildstrecke Kendo: Training 1